Rückblicke

Obstbaumpflege unter naturschutzfachlichen Gesichtspunkten

Bei einer Veranstaltung des NABU Kirchheim/Teck und Lenninger Tal am 27. 01. 2018 wunderten sich manche der Teilnehmer und Teilnehmerinnen über den Zustand einiger Obstbäume auf der NABU-Streuobstwiese bei Dettingen/Teck. Einige alte Storren durften dort als Wohnung für Insekten und Höhlenbewohner unter den Vögeln und Fledermäusen stehen bleiben. Auch Misteln hingen im Geäst.

Samuel Kick, auch beim BUND, BNAN und in weiteren Natur- und Artenschutzbelangen aktiv, erklärte, dass nicht nur im Wald oder entlang von Fließgewässern, sondern auch im Streuobstbereich Höhlen- und Habitatbäume unter strengem Schutz nach Bundesnaturschutzgesetz stehen. Wenn ein solch ökologisch wertvoller Altbaum beseitigt werden soll, bedarf dies der Ausnahmegenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde.

Im Totholz sind viele Insektenlarven und andere Arten aktiv, die wiederum als Nahrung für viele nachfolgenden, höheren Lebensformen dienen. Zudem sind viele Obstbäume Habitat von unzähligen Pilz-, Moos- und Flechtenarten.

In von manchen als „abgängig“ bezeichneten Bäumen haben Spechte oft Höhlen gezimmert, um zu brüten. Als Nachmieter kommen höhlenbrütende Kleinvögel wie verschiedene Meisenarten, der Kleiber oder der Wendehals in Betracht. Fledermäuse haben dort ihre Tagquartiere und die geschützten Hornissen ihre Waben. Sie helfen auf natürliche Weise dem Streuobstwiesenbesitzer bei der Bekämpfung lästiger Obstbaum-Schadinsekten.

Er betonte, dass die allermeisten Altbäume bei fachgerechter Pflege die jetzige und nachfolgende Generationen überleben können. Die in die Kritik gekommene Mistel als Halbschmarotzer wird niemals ihren Wirt töten und profitiert hauptsächlich von einer mangelnden Pflege der Streuobstbäume. Ihre Beeren dienen vielen Vogelarten als Nahrung. Verschiedene Insektenarten laben sich an den Mistelblüten. Für beide Artengruppen stellt die Mistel ein wertvolles und wichtiges Habitat im Kreislauf der Natur dar. Anstatt diese Zauberpflanzen aus Frankreich zu importieren, könnte man zur Adventszeit unsere einheimischen ernten.

Anschaulich wurde demonstriert, wie ein seit etwa 3 Jahren nicht mehr geschnittener, stark wüchsiger Apfelbaum gepflegt wird: „Wirbel“ im Außenbereich wurden beseitigt, behutsam ausgelichtet und versucht, eine neue Mitte zu gestalten. Dieser Apfelbaum und eine Tafelbirne wurden auf Ertrag geschnitten, während andere wachsen dürfen wie sie möchten. Mit dem anfallenden Reisig und Gras werden Haufen aufgesetzt und hochwertige Biotope für Amphibien, Reptilien und einige andere Arten geschaffen. Bei der Mahd und über den Winter wird immer etwas Gras stehen gelassen, um den vorgenannten Arten sowie den Insekten und deren Larven Schutz zu bieten.

Am Schnittgut dürfen sich bis in den März hinein Hase und Reh bedienen. Unter anderem zum Schutz vor Verbissschäden im Wald sollte das in der Jägersprache sogenannte Beigeholz ab November auf den Streuobstwiesen geschnitten und belassen werden.

Für Rückfragen steht der Referent über natur-kick@web.de gerne zur Verfügung.

 

Ein Literaturtip von Samuel Kick zum Thema ist die Broschüre

"Pflanzung und Pflege von Streuobstbäumen, Naturgemäßer Obstbaumschnitt für die Praxis" vom DVL “Deutscher Verband für Landespflege”.
Herausgeber ist der Landschaftspflegeverband Aschaffenburg e.V.

Bezug unter https://www.schlaraffenburger.de
https://www.schlaraffenburger.de/cms/index.php/42-streuobstwiese/obstbaumschnitt/102-pflanzung-und-pflege-von-streuobstbaeumen
 

Schnittkurs Nabu 1 k

Schnittkurs Nabu 2 k

Schnittkurs Nabu 3 k

Schnittkurs Nabu 6 k

Schnittkurs Nabu 7 k

Schnittkurs Nabu 8 k

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